Vom Informatiker zum Waldgarten

Vom Informatiker zum Waldgarten: Der Klimawandel und die Erkenntnis, dass wir alle noch viel zu wenig dagegen tun.

Moin zusammen,
mein Name ist Torben, ich bin ein sehr rational/analytisch denkender Mensch. Mein Alltag seit dem Ende des Wirtschaftsinformatik-Studiums: Meetings, Dienstreisen, Workshops und Präsentationen in Deutschland und Europa. ICE-Fahrten, Flüge, Notebookarbeit, Hotels, Restaurants, Biergärten und Empfänge. Wir forschen an Informationstechnologie für Feuerwehr und Rettungsdienst – meiner Meinung nach eine Arbeit, die zwar im „schneller, höher, weiter“ lebt, aber „Sinn“ gibt, da sie hilft, Menschen zu retten. Wie komme ich also vom Informatiker zum Waldgarten?

Informatiker

Der Auslöser

Radurlaub August 2019: Mit meiner Schwester, einem Zelt und zwei Fahrrädern durch Finnland: Sehr entspannend und die Chance einmal in Ruhe auf das zu schauen, was man jeden Tag macht. Auf der Autofähre über die Ostsee zurück nach Deutschland konnte ich um 5Uhr nicht mehr schlafen (wir schliefen wie die meisten Radfahrer zwischen Sitzreihen in Schlafsäcken auf dem Boden und wurden dafür von der „1. Klasse“-Kundschaft sehr misstrauisch beäugt) und ging an Deck. 

Sonnenaufgang

Der Sonnenaufgang über den Wellen, kalter Wind, alleine auf dem Deck – die Sonne 150 Mio. km entfernt einziger Grund dafür, dass unser kleiner Erdball warm und bewohnbar (aber auch nicht zu heiß) bleibt. Ja dieser Erdball mit seiner ziemlich dünnen Atmosphäre, mit 107.000 kmh um die Sonne durch das leere Weltall fliegend – das Leben darauf abhängig von einer sehr genau definierten Luftzusammensetzung, der passenden Temperatur, globalen Wind- und Wasserströmen sowie einem unglaublich komplexen ökologischen Gleichgewicht von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Hm ein ganz schön fragiles System oder? Mehr wie ein Jongleur, der es immer wieder gerade so schafft, alle Bälle aufzufangen. 

Moment. Waren da nicht ziemlich laute Stimmen, die sagen, dass wir Menschen diesem Jongleur gerade einen Knüppel zwischen die Beine werfen?

Nach diesem Gedanken habe ich acht Wochen lang jede freie Minute damit verbracht mich in die Theorien, Thesen, wissenschaftlichen Paper, Dokumentationen und Prognosen zu Klimawandel, Wirtschaftssystem und Artensterben einzulesen. 

Die Erkenntnis

Die schockierende Erkenntnis: Fridays for Future haben Recht! Nein, sie kratzen gerade mal an der Oberfläche dessen, was wissenschaftlich seit Jahrzehnten sehr breiter Konsens ist: Die Lebens- und Wirtschaftsweise der sogenannten „ersten Welt“ zerstört ganz konkret und absehbar die Lebensgrundlage der Spezies Mensch. Mit anderen Worten: Wir töten andere Menschen. Ich töte andere Menschen.

Pause. Halt Stop. 

  1. Kann das wirklich sein?
  2. Das muss man den Regierungen sagen?!
  3. Wie lange haben wir noch Zeit etwas dagegen zu tun?
  4. Das muss man den Menschen sagen?!
  5. Was kann man dagegen tun?

Die Antworten

Auf einige dieser Fragen habe ich schon erste Antworten gefunden, alle sollten möglichst viel diskutiert werden.

„Kann das wirklich sein?“ – Ja. Auch nach dutzenden Überprüfungen und neuen Studien und Papern: Es bleibt einfach nur ein sehr dickes JA. Ich hoffe hier im Blog unter Die Philosophie einige gute Quellen usw. zusammenzutragen, um euch die Chance zu geben das schnell nachzuvollziehen. Bis dahin hier nur der Verweis auf scientists for future, den wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung 2011 und Angela Merkel 2017.

„Das muss man den Regierungen sagen“ – Unsere Regierung weiß es (siehe die beiden Links oben). Die anderen Regierungen der Welt daher vermutlich auch. Der Punkt wäre also abgehakt – leider mit dem Ergebnis, dass keine auch nur annähernd ausreichenden Maßnahmen folgen. 

„Wie schnell müssen wir handeln?“ – Dazu nur ein Zitat:

„Dabei sollte die Trendumkehr der globalen Emissionsentwicklung so bald wie möglich, aber spätestens bis 2020 erfolgen, denn andernfalls wären im Folgezeitraum bis 2050 derart drastische Emissionsminderungen erforderlich, dass die technischen, ökonomischen und sozialen Kapazitäten unserer Gesellschaften überfordert wären.“

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung, 2011

„Das muss man den Menschen sagen“ – Ja. Im Sommer 2019 waren je nach Schätzung ca. 4Mio. Menschen auf Deutschlands Straßen (Die größte Demonstration seit bestehen der Bundesrepublik?!). Die Menschen reden also darüber – nur die schnelle Verhaltensänderung bleibt aus. Ob die Botschaft zu verwässert ist?

„Was kann man dagegen tun“ – Den Lebenswandel der ersten Welt radikal und schnell umstellen. Wesentlich WENIGER von allem verbrauchen und das Reduzierte dann nachhaltig erwirtschaften. Das heißt für mich: Meinen eigenen Lebenswandel umstellen und versuchen andere Menschen dazu zu motivieren mitzumachen. Also vom Informatiker zum Waldgarten-Gärtner zu werden. Siehe auch: Das Projekt.

Was heißt das genau? Wie soll das gehen (ohne ins Mittelalter zu verfallen)? Diesen Fragen soll der Waldgarten ganz konkret am Beispiel nachgehen – viel Spaß beim lesen und kommentieren!

PS: Falls du Ideen und Anregungen hast, lass es uns wissen! (info@derwaldgarten.de)

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